Schutz des Kirchseeoner Südens e.V.
Studie "Weiträumige Südumgehung Staatliches Bauamt Rosenheim"
http://www.schutzdeskirchseeonersuedens.de/studie-weitraeumige-suedumgehung-stba-rosenheim.html

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Schutz des Kirchseeoner Südens e.V.

"Ist es uns das Wert? (Südumgehung B304)"

Machbarkeitsstudie zur Umgehung der B304 in Kirchseeon vom Staatlichen Bauamt Rosenheim (23.11.2011):

Link:  Homepage der Gemeinde Kirchseeon unter "Aktuelles"

Link:  Staatliches Bauamt Rosenheim

Beschreibung (Auszug aus der Studie)

Variante 5 ist ein weiterer Vorschlag der Arbeitsgruppe des Marktgemeinderates in Anlehnung an eine Südtrasse, die bereits in den 80er Jahren diskutiert wurde.

Die Variante 5 ist bis Bau-km 2+000 nahezu identisch mit den bereits untersuchten Südvarianten (Variante 3 und 4).

Sie beginnt an der höhenfreien Anschlussstelle Zorneding Süd an der Auffahrtsrampe zur St 2081 bei Abschnitt 320 Station 110 und Bau-km 0+490.

Die Trasse schwenkt geländegleich Richtung Südosten in Lage der Kreisstraße EBE 12.

Hier muss aufgrund fehlender Sichtweiten im Einschnittsbereich der seitliche Straßenraum aufgeweitet werden.

Der künftige Anschluss der B 304 alt erfolgt über einen neuen Kreisverkehr an der St 2081 nördlich der bestehenden Anschlussstelle.

Die B 304 alt Richtung Kirchseeon, sowie die Kr EBE 12 werden soweit nicht mehr benötigt, rückgebaut.

Danach führt die Variante weiter zwischen Ilchinger Holz und Jungholz hindurch, nördlich an Buch vorbei.

Anschließend wird die Gemeindeverbindungsstraße Eglhartinger Straße zwischen Eglharting und Buch durch einen Versatz an die Trasse angebunden.

Südlich des Eglhartinger Holzes, am Bucher Feld vorbei überquert die Trasse bei Lippenlache einen öffentlichen Feld- und Waldweg (ÖFW) nach Ilching.

Etwa in Höhe der Schinderlacke durchstößt die Trasse mit einem 370 m langen Tunnel (geschlossene Bauweise) den Höhenrücken zwischen Dachsberg und Traubenberg.

Aufgrund der Trassenlage von über 20 m unter Gelände ist eine Einschnittsböschung hier nicht möglich.

Alternative Linienführungen wurden untersucht und scheiden aufgrund der noch größeren Höhenunterschiede aus.

Nach einer weiteren Überquerung eines ÖFW erfolgt der südliche Anschluss Kirchseeons höhenfrei über die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Kirchseeon und Fürmoosen.

Anschlüsse der Ortschaften an die neue B 304 sind bei der südlichen Variante unabdingbar, da Ortsumfahrungen erst durch ihre Anbindungen ihre Verkehrswirksamkeit erhalten.

Alternativ wäre hier ggf. ein Versatz vorstellbar. Ob Lichtzeichenanlagen erforderlich werden, ist zum gegebenen Zeitpunkt nicht abschätzbar.

Nach Durchquerung des Kirchseeoner und Pöttinger Holzes führt die Trasse weiter Richtung Osten über die Bahnlinie München – Rosenheim, bzw. der S-Bahnlinie München - Ebersberg und über einen ÖFW, westlich an Pötting vorbei.

In diesem Abschnitt werden zur Talquerung voraussichtlich Brückenbauwerke mit größerer lichter Weite erforderlich, die in die Kostenschätzung wie Bahnbauwerke eingehen.

Nach Überführung des Seeoner Bachs und Unterführung eines weiteren Öffentlichen Feld- und Waldweges, erreicht die Variante 5 wieder den Bestand der B304 nördlich Reitgesings.

Als östlicher Anschluss Kirchseeons dient bei Bau-km 9+700 (Abschnitt 360, Station 2,400) eine ggf. lichtsignalgeregelte Einmündung.

Hier werden die beiden, durch einen Kreisverkehr verknüpften, verlegten Ortsstraßen Richtung Kirchseeon, bzw. Ebersberg angebunden.

Alternativ zur lichtsignalgesteuerten Einmündung wäre hier eine kosten- und flächenintensive höhenfreie Knotenpunktslösung denkbar.

Das bestehende Brückenbauwerk bei Reitgesing muss erneuert und an die neue Linienführung angepasst werden.

Besonderheiten für den Tunnel:

Bei einer Tunnellänge unter 400 m ist eine Grundausstattung mit Beleuchtung und Kommunikationseinrichtungen ausreichend.

Notausstiege oder Pannenbuchten sind nicht erforderlich.

Die Detailplanung bleibt einer späteren Planungsphase vorbehalten. Gebäudesicherung: Zwischen Kirchseeoner und Pöttinger Holz müssen voraussichtlich zwei Nebengebäude abgebrochen werden.

Ob weitere Nebengebäude betroffen wären, ist aus den uns vorliegenden Unterlagen nicht ersichtlich. Der Abbruch der Nebengebäude ist in der Kostenschätzung berücksichtigt.

Bauablauf:

Da die Maßnahme größtenteils abseits des laufenden Verkehrs durchgeführt werden kann, werden keine großen Behinderungen erwartet.

Mit baubedingten Verkehrsbehinderungen oder provisorischen Umleitungen an kreuzenden Straßen ist zu rechnen.

Kosten / Nutzen:

Die Variante 5 entlastet Kirchseeon vom Durchgangsverkehr, wird jedoch durch ihre ortsferne Führung wie bei den Varianten 3 und 4 vom Ziel- / Quellverkehr kaum genutzt werden.

Es sind, entgegen der Forderung der Marktgemeinde, zwingend zusätzliche Anbindungen erforderlich.

Aus dem Raum Eglharting und dem Westen Kirchseeons wird wohl die B 304 alt weiter genutzt werden, da die vorgeschlagenen Anbindungen (Buch, Fürmoosen) an die neue Trasse einen Umweg bedeuten.

In einer Verkehrsuntersuchung müsste überprüft werden, ob noch weitere Alternativen für die Führung des Ziel- / Quellverkehrs möglich sind.

Die Notwendigkeit der beiden Anschlüsse Kirchseeons / Eglhartings steht allerdings außer Frage.

Positiv wird sich bei Variante 5 der Anschluss des Raumes südlich Kirchseeons auswirken.

Dieser Verkehr kann über die neue Trasse außerhalb der Ortschaften abgewickelt werden.

Ein Negativaspekt der Trasse ist ein nicht unerheblicher Eingriff in Waldflächen.

Dadurch ist ein großer Bedarf an Ausgleichsflächen zu erwarten.

Die Variante 5 erfordert von allen untersuchten Varianten den größten Flächenbedarf.

Die Variante 5 stellt mit einer Länge von 9,21 km und Kosten von ca. 37,18 Mio. € die günstigste untersuchte Alternative dar.

Lärmschutz:

Die V5 hat vor allem durch ihre weiträumige Verlegung in den Süden außerhalb bebauter Gebiete immissionsrechtlich voraussichtlich keine Auswirkungen.

Diese Aussagen sind nur qualitative Abschätzungen.

Eine detaillierte Lärmuntersuchung bleibt einer späteren Planungsphase vorbehalten.

Landwirtschaft:

Die V5 durchfährt auf ca. 3,07 km Länge landwirtschaftlichen Nutzgrund.

Mit der Beeinträchtigung von landwirtschaftlichen Betrieben muss gerechnet werden.

Im Rahmen einer Detailplanung wäre ggf. die nicht auszuschließende Existenzgefährdung einzelner Betriebe zu erheben.

Maßnahmen zur Erschließung landwirtschaftlicher Flächen wurden berücksichtigt.

Wald:

Die V5 verläuft auf einer Länge von 5,32 km im Wald, wobei 370 m Tunnel in geschlossener Bauweise hergestellt werden.

Unter anderem sind durch die Walddurchschneidung die beiden als Bannwald ausgewiesen Waldstücke „Wälder im Südosten von München“ und „Taubenberg mit Deinhofer Holz“ betroffen.

Hierzu ein Auszug aus dem Bayerischen Waldgesetz (2001) Art. 11 Bannwald (1) Wald, der auf Grund seiner Lage und seiner flächenmäßigen Ausdehnung vor allem in Verdichtungsräumen und waldarmen Bereichen unersetzlich ist und deshalb in seiner Flächensubstanz erhalten werden muß und welchem eine außergewöhnliche Bedeutung für das Klima, den Wasserhaushalt oder für die Luftreinigung zukommt, soll durch Rechtsverordnung zu Bannwald erklärt werden…

Bannwaldrodung darf deshalb nur in Ausnahmefällen stattfinden.

Außerdem muss nach dem Bayerischen Waldgesetz bei Eingriff in Bannwald mindestens flächengleicher Ersatz in räumlichem Zusammenhang für die zu rodende Waldfläche bereitgestellt werden.

Naturschutzrecht:

Wie bei den Varianten 3 und 4 werden weder Landschaftsschutzgebiete noch FFH-Gebiete durchschnitten oder ein bekanntes kartiertes Biotop beeinträchtigt.

Unter diesen naturschutzrechtlichen Aspekten ist die Variante 5 weniger kritisch als V1 und V2 anzusehen.

Hinsichtlich des Abtragsüberschuss von ca. 45.000 m³ kann das naturschutzfachliche Konfliktpotenzial durch eine erforderliche Deponierung geringer, als bei allen anderen untersuchten Varianten, eingeschätzt werden.

Wasserrecht: Neben dem nördlich von Buch liegenden Trinkwasserschutzgebiet des Wasserbeschaffungsverbandes Eglharting in der „Weiteren Schutzzone“ (Zone IIIB), das auf ca. 900 m durchschnitten wird, durchfährt die Variante 5 außerdem das Wasserschutzgebiet für den Markt Kirchseeon ebenfalls in der „Weiteren Schutzzone“ (Zone III) mit geringem Abstand zur Schutzzone II auf einer Länge von 1,43 km.

Nach einschlägiger Richtlinie (RiStWag 2002) ist ein Neubau von Straßen in der Weiteren Schutzzone eines Wasserschutzgebietes nur unter Auflagen möglich.

Es müssen straßenbautechnische Schutzmaßnahmen vorgesehen werden, um eine Beeinträchtigung des Trinkwasserschutzgebietes durch Straßenabwasser oder durch abirrende Fahrzeuge zu vermeiden.

Ein pauschaler Ansatz ist in der Kostenschätzung berücksichtigt.