Schutz des Kirchseeoner Südens e.V.
Chronik Rodungsinsel Buch
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Schutz des Kirchseeoner Südens e.V.

"Ist es uns das Wert? (Südumgehung B304)"

Ortschronik

Gelegen auf der Endmoräne des Inngletschers der letzten Eiszeit war die Rhodungsinsel Buch scheinbar schon vor langer Zeit ein beliebter Siedlungsort. Es ist nicht leicht, die Ersterwähnung des Ortes zu finden bzw. zuzuordnen, da es mehrere Ansiedlungen mit dem Namen Buch in der Umgebung gibt.

 

In den „Freisinger Traditionen“, Nr. 288 findet sich folgender Eintrag: (übersetzt von Frau Emmi Heder)

ÜBER DIE KIRCHE VON POCHE/BUCH - Februar 809
Notiz darüber wie sich Sicco und Richolf mit dem Bischof Atto über die Kirche in dem Ort, der Poche genannt wird verglichen haben und wie sie rechtlich bezüglich dieser Kirche überführt und widerlegt wurden in Anwesenheit des Bischofs Atto, des Grafen Heriperht, des Abtes Cundhari, des Abtes Maginhart, des Schultheiss Reginhard und des Schultheiss Imminon sowie vieler anderer Leute: Kaganhart, Regino, Reginfrid, Hitto, Sindperht, Uualdman, Amo, Erchanolt, Isanger, Heio und Heipo.

Dies erfolgte mit öffentlicher Zustimmung im Ort Holzhausen in Anwesenheit vieler dort Versammelter. Alle diese Obengenannten sind  Zeuge davon, dass Sicco und Richolf diese Kirche in die Hände des Bischofs Atto übergeben  und sich dafür verbürgt haben, zukünftig keine weiteren Ansprüche mehr geltend zu machen.

Noch immer sind sich die Historiker nicht völlig sicher, ob mit den Ersterwähnungen von 809 unser Buch gemeint ist. Der Historische Atlas des Gerichts Schwaben von Dr. Gottfried Mayr ordnet diesen Eintrag jedoch unserer Ortschaft zu.

 

Aus dem Jahr 828 findet sich ein Eintrag über die Schenkung des Hiltolf zu Buch, die er zum dritten Mal macht. Dieser Eintrag vom 17. Februar 828 wird zweifellos unserem Ort zugeordnet und belegt, dass es die Ansiedlung schon früher gegeben haben muss.

Aus dem Text der Schenkungsurkunde:

(übersetzt von Elmar Kramer)

 

Und auf der Stelle übertrug Hiltof dem

verehrungswürdigen Bischof was er in jenem Ort hatte sowohl die Kirche, die Häuser als auch alles andere Eigentum, das er hatte.

Der Ort bestand also damals schon aus einer Kirche und mehreren Höfen. Um welche Anwesen es sich hierbei handelte ist unbekannt. Darüber finden sich erst mehr als 600 Jahre später Aufzeichnungen.

 

Im Feuerstättenbuch (Feuerstätten = symbolisch für Haushalte) des Landgerichts Schwaben findet sich aus dem Jahre 1450 eine Aufzählung der gesamten 14 Anwesen in der Ortschaft.

 

Lfd.

 Nr.

Eintragung

Zuordnung

1

Item Nickel paut ain Lechen ist des Fueterer von München

Nickel

2

Item Anderl relger paut ein Lechen ist der Hailigen ze Harthausen

Hallmaier

3

Item Haintz Schmid paut ain Lechen ist der von Scheftlan

Kellerer

4

Item Hansel Metmayr paut ain Lechen ist deß Martl Kastner

Ment

5

Item Ull Kern paut ain Hueb ist des von Zell (Dietramszell)

Hansn

6

Item Weber paut ain Lechen daß ist sein

?

7

Item Haintz Gögerl paut ain Lechen ist deß von Tegernsee

?

8

Item Jacob Troll paut ain Lechen ist deß Perscherß von Tall

?

9

Item Der alte Grabmair paut ain Lechen ist der Hailigen zu Puech

Mesner

10

Item Chuntzl Pachmair paut ain Lechen ist deß Partlemeß ze Mosach

Hoisn

11

Item Chuntzl Grym paut ain Lechen ist deß sein

?

12

Item Hansel Grabmair paut ain Hoff ist deß von Eberspergk

Garmayr

13

Item Kotter paut ain Hoff ist deß Zell

Kotter

14

Item Raumayr paut ain Lechen ist deß von Freysing

?

 

Erläuterung:

Item = desgleichen;

paut = bewirtschaften;

Lechen, Hube und Hoff = die Größe der Anwesen;

Am Ende der Einträge ist jeweils der Grundherr genannt.

 

Das Hofanlagsbuch von 1551 weist in Buch 2 Höfe, 10 Lehen und 3 Sölden aus.

 

Um 1700 bestand die Ortschaft aus etwa 100 Einwohnern, die in 16 Haushalten lebten.

 

1707 wird die Kirche dem Heiligen Petrus geweiht.

 

Im Jahre 1846 begannen die ersten Flurbereinigungsmaßnahmen. Buch war der erste Ort, der in Bayern arrondiert wurden. Eine Errungenschaft, die sogar in der Weltausstellung in Paris im Jahre 1856 vorgestellt worden sein soll.

An diese Flurbereinigungsmaßnahme erinnert heute noch ein Gedenkkreuz am östlichen Ortseingang.

 

Im Frankreichfeldzug von 1870/71 fällt der Artillerist, Martin Kern (Hallmaiersohn), bei Versailles.

 

1880 zählte Buch 113 Einwohner, immerhin 17 % der Einwohner der gesamten Gemeinde Eglharting.

 

13. Oktober 1901:  dies ist das Gründungsdatum der freiwillige Feuerwehr. Unter der Bezeichnung „2. Kompanie Eglharting“ traten 32 Männer unter der Führung des Zimmererpoliers Leonhard Schwaiger ihren Dienst am Nächsten an.

 

Am 15. November 1908 erfolgt der Eintrag der „Schützengesellschaft Edelweiß Buch“ ins Vereinsregister. 1. Schützenmeister war Peter Sewald.

Der Schießbetrieb mit Zimmerstutzen fand im Gebäude des Gasthofes Wallner statt.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1922 zählt Buch 126 Einwohner. In dem schrecklichen 4-jährigen Waffengang waren 6 Bucher gefallen. Leonhard Adler (Kuchlersohn), Sebastian Sellmair (Hallmaier), Franz Finauer (Hansnsohn), Max Neeb (Bruder von Frau Junker), Peter Finauer (Hansnsohn), Nikolaus Eidenschink (Knecht).

 

Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Buch ein beliebtes Ziel für Ausflüge und für die Sommerfrische. Zur Unterbringung der Gäste wurde 1901 ein Hotel mit ca. 30 Betten errichtet – die Villa Gigglberger. Ein Anziehungspunkt war neben der Königseiche das Bucher Moorbad. Im Jahr 1931 existierten dort 10 Umkleidekabinen und ein Kiosk. An sonnigen Sonntagen sollen sich bis zu 200 Badegäste dort aufgehalten haben.

 

Im Jahre 1935 gründet sich der Wasserbeschaffungsverband. Die Wasserversorgung in der Ortschaft wird vollkommen neu gestaltet. Nach der Vorgabe, weg von den hauseigenen Ziehbrunnen, hin zu einer zentralen Wasserversorgung mit einem ca. 60 m tiefen Brunnen, einem Hochbehälter und den entsprechenden Haupt- und Nebenleitungen wurde in 2-jähriger Handarbeit eine Meisterleistung vollbracht und eine Wasserversorgung geschaffen, die in den Grundzügen noch heute existiert und uns mit ausgezeichnetem Trinkwasser versorgt.

 

Am Beginn des trübsten Kapitels Deutscher Geschichte, im Jahr 1933, zählte Buch 138 Einwohner. Auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkrieges blieben 10 Bucher zurück. Ludwig Deimel, Kaspar Grill, Josef Holzmannstetter, Franz Huber (Kottersohn), Georg Lugauer (Knecht beim Nickl), Anton Mayer (Bruder von Maria Libossek), Michael Piller (Bruder von Mathilde Weber), Franz Schwaiger (Nicklsohn), Lorenz Schwaiger (Nicklsohn) und Otto Strassenberger. Martin Holzmannstetter ist in französischer Gefangenschaft verhungert.

 

Im Jahr 1954 kam es zu einer kleinen Revolution in der Gemeinde Kirchseeon. 26 Bucher Bürger fühlten sich von der Gemeindeverwaltung Kirchseeon vernachlässigt und stellten einen Antrag auf Übertritt der Ortschaft in den Bereich der Gemeinde Zorneding. Dazu ist zu wissen, dass die Ortschaft Buch immer schon zur Pfarrei Zorneding gehörte und die Bucher Kinder auch dorthin zur Schule gingen. Die Verbindung zu den Zornedingern war damit natürlich wesentlich intensiver als zu den Kirchseeonern. Letztendlich fand sich aber keine breite Mehrheit und die Ortschaft blieb ein Teil der Gemeinde Kirchseeon.

 

Von 1957 bis 1958 steht ein 32 m hoher Bohrturm im Waldstück Richtung Moosach. Es wird aus ca. 3200 m Tiefe Erdöl und Erdgas gefördert. An dieser Stelle befand sich früher eine Ziegelei, die zum Huberhof (Reis) gehörte. Die Ölbohrer pumpten den Bohrschlamm in die dortigen Lehmgruben; es entstand so der kleine Weiher, von den Buchern einfach „die Bohrstelle“ genannt. Der Weiher ist seit vielen Jahren im Winter ein beliebter Treffpunkt der Eisstockschützen. Früher war’s der Obermeier, Sepp und jetzt ist es der Eck, Sepp welche immer eine oder mehrere Eisstockbahnen fein präparieren. Dank der Schattenlage des Weihers hält sich dort die Eisschicht besonders lange.

 

Der motorsportbegeisterte Sepp Wallner brachte es fertig, dass auf Bucher Flur im Jahr 1961 erstmals ein Grasbahnrennen ausgetragen werden konnte. In der damaligen Zeit ein sensationelles Ereignis, das mehr als 5000 Zuschauer anlockte und bei dem namhafte Fahrer wie Attenberger/Schillinger um den Lorbeerkranz kämpften.

Bis zum Jahr 1983 folgten noch vier weitere dieser Großveranstaltungen.

 

Die Pläne, die kleine Kiesgrube am östlichen Ortsrand stark zu vergrößern, führten 1965 zu heftigen Diskussionen in der Ortschaft. Schließlich kam es im Gasthof Wallner sogar zu einer Kampfabstimmung. Mit 47:7 Stimmen sprach sich die Mehrheit gegen eine Erweiterung der Kiesförderung aus. Der Streit gipfelte schließlich darin, dass die Bucher Schützen ihr Vereinsheim, den Gasthof Wallner, verlassen mussten. Auf der Suche nach einer neuen Bleibe fanden sie Aufnahme beim „Hois“ und bauten sich dort ihr Schützenheim.

 

Am 01.01.1970 wird die Ortschaft von der Pfarrei Zorneding zur Pfarrei Kirchseeon umgepfarrt. Seit dieser Zeit gehen die Bucher Kinder nach Kirchseeon, bzw. Eglharting zur Schule.

 

Im Olympiajahr 1972 muss der Kramerladen beim Daimel schließen. Das Geschäft konnte mit den Supermärkten nicht mehr konkurrieren.

Helmut Hollerith behauptet, in seiner Kindheit sei die Grenze zwischen Oberdorf und Unterdorf durch den Kramerladen verlaufen und zwar genau zwischen Sauerkrautfass und Bonbonglas wobei das Bonbonglas selbstverständlich zu seiner Seite, dem Unterdorf gehörte.

1975 wird die Starkstromleitung (380 KV) an der Ortschaft vorbeigeführt.

 

Nach 60 jähriger Pause, im Jahr 1986, wird in Buch wieder ein Maibaum aufgestellt. Seitdem wiederholt sich das Spektakel alle 5 Jahre. Der Wettergockel an der Spitze des Baumes stammt aus dem Jahr 1921 und zierte schon damals den Maibaum.

 

1982 wurde die Kirche und die Friedhofsmauer renoviert. Die einheitliche Ausstattung des Gotteshauses stammt noch aus der Erbauungszeit von 1687.

 

24.06.1984: Einweihung des neuen Löschfahrzeuges der Feuerwehr. Der bis dahin vorhandene, von Hand gezogene  Anhänger mit den Löschgeräten hatte ausgedient.

 

1994: Das Abendglöckchen verstummt. Der jahrhundertealte Brauch des Wetter- und Gebetläutens wurde mit dem Tod des langjährigen Mesners, Emmeran Kappelsberger (Kuchler) zu Grabe getragen.

 

Im Jahr 1995 erhält die Ortschaft einen Abwasserkanal und wird an den Abwasserzweckverband München Ost angeschlossen.

 

© Sepp und Rosi Trenkler, Buch

 

Quellen:

Hauptstaatsarchiv München: Freisinger Traditionen Nr. 288/552

Stadtarchiv München Feuerstättenbücher Fremde Bestände 21-IV

Kreisarchiv LRA Ebersberg: Feuerstättenbücher 9805

 / GLF 3684 Steuerbücher Nr. 388 / 389 / 390

Hofanlagebuch: Geheimes Landesarchiv 1189 / 1194

Pfleggericht Schwaben Band 38

Zeitungsausschnitte von 1890 bis heute

Bayer. Landesverein für Heimatpflege e.V. „Schöne Heimat“ 1992 Heft 2

Dr. Gottfried Mayr: Historischer Atlas Ebersberg – Gericht Schwaben

Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Bayern IV: München und Oberbayern

Benno Rupprecht: Aufzeichnungen der Wassergenossenschaft