Schutz des Kirchseeoner Südens e.V.
Chronik Ilching
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Schutz des Kirchseeoner Südens e.V.

"Ist es uns das Wert? (Südumgehung B304)"

Ilching

GESCHICHTLICHES

 

1145   Mit einem „Eberhardus Pfarrer von Ulchingen“ tritt der Ort Ilching erstmals in das Licht der Geschichte. Offenbar hat hier ein Pfarrer Besitz, denn es erscheint kaum glaubhaft, dass Ilching Sitz einer Pfarrei war.(*1)

Am Platz, wo heute das Kirchlein steht, stand einst einmal das Hüterhaus (Herterhaus). Das Herterhaus gehört der Dorfgemeinschaft und dient dem Viehhüter als Unterkunft. Der Herter hat viel Verantwortung. Wenn er nichts taugt, kann die Dorfgemeinschaft den Arbeitsplatz und die Wohnstatt fristlos kündigen. (*2)

 

1315 wird die Ursulakirche erstmals erwähnt .(*1)

 

1450 Im Feuerstättenbuch ist Ilching bereits mit vier Anwesen erwähnt. (*3)

 

1551 Besteht Ilching aus zwei Höfen und zwei Lehen.

 

1651 ist der Hüter erstmals erwähnt. Er hat etwa 29 Kühe und 14 Jungrinder zu betreuen (*4)

 

1879 erbauen die vier Bauern von Ilching auf dem Gemeindegrund wo früher das Hüterhaus das Kirchlein neu - Eine Gedenktafel im Inneren der Kirche erinnert daran: 

"Die kleine Kirche so lieb und traut,

haben vier wackere Männer von Ilching gebaut.

1879 am 8.Mai ward sie geweiht

mög sie bestehn als Gnadenstätte allzeit.

Die Erbauer dieser Kirche sind:

Dallmayer, Lenz Lipp und Strell

Möge ihr Name einst glänzen im Himmel hell"

 

1893  errichten die Zornedinger eine Wasserleitung von den Moosacher Quellen nach Zorneding. In Ilching, neben dem Lenzenhof, wird eine Abzweigung für die Wasserversorgung des Ortes gelegt.

 

1894   Anton Lipp ist als Bürgermeister gewählt und Martin Höher zum 2. Bürgermeister der damaligen Gemeinde Eglharting ernannt. Sie behalten das Amt bis 1900.

 

1895   Volkszählung: Ilching hat 33 Einwohner. (*5)

 

1899   Die Kreisirrenanstalt in München Giesing wird ihren Aufgaben nicht mehr gerecht. Im Mai 1899 ergeht eine Aufforderung zur Angebotsabgabe für eine neu zu errichtende Anstalt vom Landrat von Oberbayern (entspricht dem heutigen Bezirkstag). Unter den mehr als 40 möglichen Standorten ist Ilching im Kreis der letzten 7 Favoriten. Den Zuschlag erhält letztendlich Eglfing, das heutige Haar.

 

Als Vorteile für den Standort Ilching wurden damals angeführt:

- 226 Tagwerk Feld und Wiesen und 695 Tagwerk  Waldungen zum Preise von 900 bis 1000 Mark (zwei Fremde sind mit 52 Tagwerk Wald beteiligt).

- Die Grundstücke grenzen an den Bahnhof an, die Lage ist hygienisch gut und nicht exponiert.

- Die Anstalt wäre auf dem leicht nach Süden geneigten Terrain nordöstlich von Ilching zweckmäßig zu platzieren und leicht zu entwässern.

- Das Terrain ist übersichtlich und ein schönes Anwesen wird mit angeboten.

 

Gegen Ilching sprach:

- Die große Entfernung von München

- Das Fehlen eines Ortes in der Nähe zur Beschaffung plötzlicher Bedürfnisse und Zuziehung von ordentlichen Handwerkern. Hierzu ist das kleine

Kirchseeon mit 20 Wohngebäuden kaum geeignet.

- Die nicht unerhebliche Steigung für ein Anschlussgleis.

- Die sehr fragliche Wasserversorgung - Nach Mitteilung des Bürgermeisters ist Zorneding nicht gewillt, an eine Anstalt in Ilching Wasser abzugeben.

- Der hohe Preis, der mit dem schlechten Wald und der Lage in keinem Verhältnis steht.

- Es müsste von einem Bauern im benachbarten Riedering noch Feld angekauft werden, um auf dem Areal etwa 70 Kühe halten zu können.

- Die weite Entfernung zu Schule nach Zorneding

- Die sehr ausgedehnten Waldungen, die für Entweichungen bedenklich sind

- Ein gehemmter Ausblick – mit Ausnahme des nördlichen Teils sieht man nur eine von Himmel und Wald begrenzte Lichtung. (*6)

 

1905   Alban Maier übernimmt das Amt eines Gemeinderates. (*5)

 

1914   Auch der Weltkrieg hinterlässt hier seine Spuren. Georg Gaßner, Lenzbauerssohn, verliert sein Leben bei einem Sturmangriff in Frankreich. Sebastian Hermannsgadner stirbt in Nordfrankreich. Anton Lipp verstirbt 1919 nach längerer Krankheit, die er sich bei den Strapazen des Krieges zugezogen hat.

 

1919   Alban Maier übernimmt das Amt des 2. Bürgermeisters.

 

1921 Die Schulkinder müssen nicht mehr den weiten Weg nach Zorneding gehen, sie werden nach Kirchseeon Bahnhof umgeschult. (*7)

 

 

1923 bis 1925 ist Alban Maier 1. Bürgermeister.

 

1926 stand der „Dallmayerhof“ lichterloh in Flammen. Ein 7 jähriger Knabe war der Verursacher des Brandes. Durch das tatkräftige Eingreifen der Feuerwehren konnte das Wohngebäude und der Pferdestall gerettet werden.

 

1933   Heinrich Klagges wird Gemeinderat und behält sein Amt bis ins Jahr 1945.

 

1942   Franz Lipp bleibt im Schlachtfeld des 2. Weltkrieges in Stalingrad im

Alter von 20 Jahren.

 

1945   Martin Höher wird Gemeinderat und bleibt bis ihn Gottlieb Scherer 1952 ins Amt folgt. Dieser hat das Amt bis ins Jahr 1960 inne.

 

1950   Ilching zählt 52 Einwohner, die in den vier Bauernhöfen leben. Einige ausgebombte Bürger Münchens sind hier bei den Bauern untergebracht.

 

1973   zählte ich in Ilching 26 Einwohner und 26 Hunde.

 

1965??Die Wasserversorgung von Zorneding aus den Moosacher Quellen wird aufgelöst. Ilching erhält sein Wasser seither vom Wasser-Beschaffungsverband Eglharting (Hochbehälter Gartenberg).

 

1980   stellen die Freunde des Thaddäus Lipp zu seinem Geburtstag einen Baum auf - Aus dieser kurzfristigen Aktion erwuchs die Idee eines Maibaums. Dieser wird unter unerwartet großem Besucherandrang am 1. Mai aufgstellt.

 

1984   verschwindet aus der Ortschaft das Milchvieh. Am Lipphof wird die letzte Kuh verkauft.

 

1991 Bei einem Großbrand am Lipp-Hof  brannten die Wirtschaftsgebäude bis auf die Grundmauern nieder

 

1996   Seit über 30 Jahren stellt Ilching wieder eine Gemeinderätin - Barbara Burgmayr.

 

2008   ist die Einwohnerzahl auf 43 Personen angewachsen, die in 20 Haushalten leben. 8 Hunde, etwa 30 Pferde, ein paar Schafe und ein paar Hühner sind der heutige Viehbestand in Ilching.

 

2009   Der Dorfweiher wird rekultiviert.

 

© Rosi Trenkler

 

Quellen:

 

(1) Auszug aus dem Heimatbuch des Landkreises von 1960

(2) Forschungen von Emmi Heder, Zorneding

(3) Kurbayern Geheimes Landesarchiv Gericht Schwaben GL 1189

(4) Jahrbuch des Historischen Vereins Ebersberg "Vom Hüteranwesen im Kirchseeoner Raum" von Hans  

     Sichler

(5) Kreisdokumentation Ebersberg: "Ebersberger Anzeiger"

(6) Archiv des Bezirkes Oberbayern zur neuen Kreis Irrenanstalt

(7) Schulchronik: Heimatkundekreis Zorneding